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Leseprobe

Illustration

Illustration Seite 120
von Eva Simmet:
„ Haus Heeren“ – das erleuchtete Turmfenster – Ansicht von Nordosten. Diese Ansicht können Sie nur genießen, wenn Sie an einer Führung unseres Ortsheimatpflegers oder einer der GästeführerInnen der Stadt teilnehmen. Der Park, von welchem aus diese Ansicht auf den Turm gewährt wird, ist allgemein nicht zugänglich.

… „Das sind Polyacethylen-Verbindungen – nicht in Gasform, sondern in fester Form- wie sie vielfach in Doldengewächsen vorkommen. Frau Agness hat hiervon keine geringe Menge verabreicht bekommen. Haushaltsübliche Mengen, wie es beim Würzen einer Suppe zum Beispiel der Fall wäre, führen auf keinen Fall zu schweren Vergiftungserscheinungen. Sie war nachweislich Veganerin. Es wird kaum möglich sein, heraus zu finden, was sie zu sich genommen hat. Von den Doldengewächsen gibt es etwa 300 Gattungen mit etwa 3.000 Arten. Es sind ausdauernde Kräuter mit rübenartiger Wurzel und einem Rhizom als Überwinterungsorgan. Interessant ist der Umstand, dass das Kraut mancher Doldengewächse nur 0,2 Prozent der toxischen Substanzen enthält, die Wurzel jedoch zwei Prozent.“ …

… Mein Ziel war das Schloss, genauer das Turmzimmer. Den ganzen Vormittag über ging mir eine Sache nicht aus dem Kopf: Frau Agness hatte von einer Sage gesprochen – vom Licht im Turmzimmer. Doch dort oben brannte tatsächlich Licht. Kurze Zeit zweifelte ich, ob mein Ehrgeiz, diesen Fall zu lösen, mit der Langeweile einhergeht, die es zu überbrücken galt. Doch ich verneinte das nach einigen Sekunden.
Sehr dunkel gekleidet stahl ich mich durch das Kateneck mit seinen alten Fachwerkhäusern und ehemaligen Tagelöhnerhäusern hinüber zu dem Weg, der es ermöglichte, das Schloss und den Turm von der Nordost-Ansicht zu beobachten. Tatsächlich brannte in demselben Turmfenster Licht. Meine Anspannung wuchs. Sollte ich ins Hotel hineinmarschieren und mit viel Glück ungesehen das Turmzimmer erreichen? Ich befand mich nicht weit von den Gesindehäusern und der Mauer entfernt. Eine Ente quakte so laut, das einige andere in das Geschnatter mit einfielen. Leicht amüsiert blickte ich in die Richtung, da sah ich ein Boot. Den Farben und der Gestaltung nach zu urteilen, war es von Kinderhand bunt bemalt worden. Zwei Ruder lagen bereit. Ich überlegte nicht lange. …

Heike Gellert: Glauben Sie mir - Claus Constein schafft es, den Turm von außen hinaufzuklettern…

… Kurz in Gedanken versunken hörte ich, dass Schritte näher kamen. Es konnte nur Manfred Seider sein. Er schlurfte unüberhörbar. Etwas zu spät reagierte ich. Ich bewegte mich auf eines der drei im Turmzimmer befindlichen Fenster zu, öffnete es. Ohne lange nachzudenken, sprang ich auf das Fensterbrett. Die Tür öffnete sich. Es war tatsächlich Manfred Seider. Zum Glück kehrte er mir den Rücken zu, da er die Tür mit einem Blick in den Flur schloss. Nun war ich außerhalb des Raumes am Turmfenster und hielt mich mit den Händen, auf den Ellenbogen abgestützt, fest. Instinktiv zog ich den Kopf zurück. Nach kurzer Zeit und einigen Atemtechniken riskierte ich einen erneuten Blick. Ich sah plötzlich, für einen Moment aufgeregter, dass Seider auf das Fenster zuging. Sah er meine Hände? Mein Gesicht muss bei diesem Licht erleuchtet gewesen sein. Vor Schreck zog ich den Kopf ein wenig zu schnell hinunter, verlor den Halt unter den Füßen, konnte mich mit der linken Hand nicht mehr festhalten, ließ los und fiel hinunter. Das Boot verfehlte ich nur knapp. …

Heike Gellert: Kurz darauf kommt eine Szene in der Kirche.

… Ich ging links herum weiter. Die Tür am Nebeneingang, der direkt zum Altar führte, war lediglich angelehnt. Ich ging hinein. Es schien Niemand anwesend zu sein. Auf dem Boden befanden sich Wassertropfen. Es musste vor kurzem Jemand hier gewesen sein. Ich stand immer noch im Türbereich, an der Bank neben dem Altar. Von hier aus konnte ich jetzt direkt auf die Orgelempore sehen. Die Walcker-Orgel hatte 20 Register mit insgesamt 1156 Pfeifen.
Die gröbsten Arbeiten waren erledigt. Der Boden war bereits wieder neu verlegt. Nun stand ich vor dem Altar, von der Haupttür aus gesehen, hinter dem Altar und wollte links hinüber, um eventuell aus der zweiten Nebentür heraus zu finden. Ich blieb noch einmal kurz stehen, um mir die Motive am Chorraumfenster anzusehen.
Zuerst irritierte mich eine minimale Bewegung unter meinen Füßen, dann spürte ich den Griff an meinem linken Arm. Er kam so unverhofft und mit einer gefährlichen Härte, dass ich nicht mehr reagieren konnte. Der Griff zwang mich sofort auf die Knie. Ich sah noch die sich öffnende Bodenplatte und bekam einen schmerzhaften Stoß gegen meine Schulter. Es war mir unmöglich, den nun folgenden Sturz zu verhindern. Ich vermutete, es waren drei Stufen, die ich hinunter stürzte. Als ich mich orientieren konnte, schloss sich über mir die Bodenplatte, und es wurde dunkel. Ich hörte und sah überhaupt nichts mehr. Erst nach einigen Minuten war mir bewusst geworden, was soeben passiert war. Irgendjemand mit enormer Kraft hatte mich hinabgestoßen.


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